W. Raabe

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Letzte Aktualisierung am:

21.10.2015 17:35

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Raabe, Wilhelm, Pseudonym Jacob Corvinus, (1831-1910), Schriftsteller.

Neben Theodor Storm war er der bedeutendste Vertreter des poetischen Realismus innerhalb der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.  

Raabe wurde am 8. September 1831 als Sohn eines Juristen in Eschershausen nahe Braunschweig geboren und wuchs in harmonischen Verhältnissen auf. 1849 begann er eine Buchhändlerlehre in Magdeburg. Nach 1854 besuchte er philosophische Vorlesungen der Universität Berlin und begann zu schreiben. Schon sein erster Roman Die Chronik der Sperlingsgasse (1857) wurde ein großer Erfolg, ebenso wie Der Hungerpastor (3 Bde., 1864). Hier bereits zeigte sich Raabes Vermögen einer plastischen Realitätsschilderung, wobei grotesk-verfremdende und irrationale Momente wie Traumdarstellungen und eine Betonung schöpferischer Einbildungskraft eine entscheidende Rolle spielten. Auch in der Wahl des Personals – nicht selten wurden verschrobene Sonderlinge und Außenseiter positiv gegen die Spießigkeit des bürgerlichen Philistertums abgehoben – waren die Gesellschafts- bzw. Gegenwartsromane von Charles Dickens und William Makepeace Thackeray Vorbilder. Die Chronik der Sperlingsgasse und Der Hungerpastor sicherten ihrem Verfasser ein Auskommen als freier Schriftsteller. Von 1862 bis 1870 lebte Raabe in Stuttgart. Hier entstanden zahlreiche Prosatexte, darunter Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge (1868) und Der Regenbogen. Sieben Erzählungen (1869).

Nach der Mobilmachung zum deutsch-franzö­si­schen Krieg 1870 zog Raabe aus politischen Gründen – er war Anhänger Bismarcks – zurück nach Braunschweig, wo er mehr als 30 Romane schrieb. Ein Teil verbarg seine politischen Positionen nicht. In einigen wandte er sich gegen die Ideologie des Materialismus (Zum wilden Mann, 1874) und wies vom idealistischen Standpunkt in der Nachfolge Hegels und Feuerbachs sowie im Umfeld des Jungen Deutschland auf die Folgen der aufkommenden Industrialisierung hin (Pfisters Mühle, 1884, Im alten Eisen, 1887). Dabei wichen der heiter-poetische Ton und die bisweilen zur Beschaulichkeit neigende Idyllik früherer Werke immer mehr einer von der Lektüre Arthur Schopenhauers herrührenden düster-pessimistischen Weltsicht, wobei humoristische Elemente immer wieder den resignativen Tenor kaschierten. In der Nachfolge Jean Pauls folgte Sozialkritik im Roman den Mustern eines humanistischen Ideals. Bei seinem verhaltenen Experiment mit der Erzählform wirkte die Rezeption von Laurence Sterne nach.

1891 kam mit Stopfkuchen ein humoristisches Meisterwerk Raabes heraus. Im selben Jahr verliehen die Universitäten von Tübingen und Göttingen dem Autor die Ehrendoktorwürde. 1899 erschien mit dem Roman Hastenbeck der letzte Roman Raabes; bis zu seinem Tod am 15. November 1910 in Braunschweig führte er eine materiell abgesicherte Existenz. Weitere Werke sind die Romane Ein Frühling (1857), Die Kinder von Finkenrode (1859), Die Leute aus dem Walde (3 Bde., 1863), Drei Federn (1865), Der Schüdderump (3 Tle., 1870), Alte Nester (Erstabdruck in Westermanns Monatshefte 1879), Unruhige Gäste (1886), Die Akten des Vogelsangs (1896) und Altershausen (Fragment, posthum 1911) sowie die Erzählungen Die schwarze Galeere (1861), Unseres Herrgotts Canzlei (2 Bde., 1862), Der Regenbogen (2 Bde., 1869), Der Dräumling (1872), Meister Autor oder Die Geschichten vom versunkenen Garten (1874), Horacker (1876), Krähenfelder Geschichten (3 Bde., 1879), Das Horn von Wanza (1881), Prinzessin Fisch (1883) und Das Odfeld (1889). Darüber hinaus entstanden lyrische Gedichte.

Verfasst von: Thomas Köster (Microsoft Encarta)

  Wilhelm Raabe Schule Hameln
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