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Wilhelm-Raabe-Schule - Gemeinsam für morgen lernen!

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Letzte Aktualisierung am:

21.10.2015 17:24

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Historische Presseartikel

„Das waren Zeiten“ – Büffeln zwischen Bomben und Baracken 

Hameln (ll). So manch erheiternde Anekdote aus ihrer Schulzeit hatten sie sich zu erzählen: 50 Jahre nach ihrer Schulentlassung feierten die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Hamelner Mittelschule anlässlich der 125-Jahr-Feier ihrer „Penne“ im TC-Heim fröhliches Wiedersehen. 

„Weißt Du noch, damals?“: Bei den „Ehemaligen“ wurden Erinnerungen wach. 

Damals, als die Mutter der Hamelner Realschulen – die Wilhelm-Raabe-Schule – noch „Städtische Knaben- und Mädchen-Mittelschule“ hieß, gab es aber trotz vieler netter und schöner Erinnerungen von heute nicht nur Erlebnisse zum Lachen. Geprägt durch die Kriegsjahre hatten die 40 Jungen und 60 Mädchen – sie waren noch in den Klassen geschlechtlich getrennt – eine sowohl bewegte als auch bewegende Schulzeit. So standen zahlreiche Schulausfälle wegen drohender Bombenangriffe auf der Tagesordnung. Als der Schulbetrieb fast gänzlich eingestellt wurde, da die Lehranstalt in der Lohstraße zu einem Kriegslazarett umfunktioniert worden war, fand der Unterricht an wechselnden Standorten im Hamelner Stadtgebiet, zumeist in Baracken, statt. Nachdem dann 1945 zum Kriegsende hin die Schule für fast sechs Monate vollends ausgefallen, die Schülerinnen und Schüler zu öffentlichen Arbeiten herangezogen worden waren, ergab sich der neueröffnete Schulunterricht nach Kriegsschluss trotz fehlender Lehrer, angewachsener Klassen und unzureichender Lehrmitteln doch gerade zu einer Wohltat. Günther Hoppert, einer der Organisatoren des Wiedersehentreffens, betonte, dass Not erfinderisch mache. Das tägliche Improvisieren hätte im wahren Sinne des Wortes zu einer Lebensschulung beigetragen. Laut Hoppert war es übrigens sehr aufwendig und mit vielen Mühen verbunden, alle Schülerinnen und Schüler nach einem halben Jahrhundert wieder aufzufinden. Denn mittlerweile erstrecken sich die Wohnorte der früheren Schulfreunde auf das gesamte Bundesgebiet; einige reisten selbst aus der Schweiz und aus Polen zum Wiedersehen an. 

© Dewezet, 18.05.1998

Büffeln – und kaum Bücher: Wie die Hamelner fürs Leben lernten 

Von Thomas Wünsche 

Hameln. Als Rektor Adolf Prahm im Winter ’49 vor die Zöglinge der „Knaben- und Mädchen-Mittelschule“ an der Lohstraße tritt, ist er froh darüber, dass die Hamelner Penne, seit Kriegsbeginn Wehrmachtslazarett, aus dem Schlimmsten raus ist: nämlich aus den zwei zugigen Holzbaracken in der Hugenottenstraße, in denen die Mädels seit ’43 – bisweilen mit aufgespanntem Regenschirm – büffeln mussten. 

Zwar ist die Raumnot an der Lehranstalt, die seit September vergangenen Jahres den Namen „Wilhelm-Raabe-Schule“ trägt, noch immer katastrophal, die Klassenstärke mit 43 Schülern – jeder dritte ein Flüchtlingskind – alles andere als auf Friedensstand. Und die 700 Unterrichtsstunden, die sein 25köpfiges Kollegium, darunter zehn Flüchtlingslehrer, gehalten hat, stellen nicht mal 78 Prozent des Solls. 

Aber: Es gibt wieder Schulbücher und -Hefte. Wenige zwar und auf schlechtem Papier, doch immerhin. Drei Jahre zuvor war das alles noch anders. Da hatte Major Lynden-Bell, der britische Stadtkommandant, die „alten“ Schwarten im Zuge der Entnazifizierung einziehen lassen; Geschichtsunterricht war fortan verdächtig – und verboten. Was Prahm jetzt, im Winter ’49, noch nicht weiß: Bereits im kommenden Frühjahr, Ostern ’50, werden die Raabe-Eltern – mit dem „ok“ von Rat und Regierung – auf eigene Rechnung sechs Zusatz-Lehrkräfte mit Privatdienstvertrag einstellen. Dann nämlich wird sich die Zahl derjenigen Schüler, die zwar mit Erfolg am Probeunterricht teilgenommen haben, aber wegen der Kosten für zusätzliche Lehrer von der Stadt nicht beschult werden können, auf zwei Klassenstärken mit zusammen 76 Kindern summiert haben. 

Nachdenklich tritt Prahm ans Fenster, schaut in den Schulhof hinab. Dort unten, vor der Turnhalle, standen noch vor einem Jahr US-Feldküchen, schöpften die Raabe-Schüler anfangs aus einem Viertel Liter Süßmolke am Tag Energie. Gott sei Dank, denkt Prahm, ist jetzt endlich die Stadtküche an der Bäckerstraße dazu in der Lage. Das nämlich war sie lange Zeit nicht – die wenigen Kessel reichten nicht aus, den Riesen-Bedarf zu decken. „Satte“ 8000 Portionen täglich, der Kellenschlag zu 15 Pfennigen, mussten erst einmal zubereitet sein. Einer, der’s genau notiert hat, ist Hamelns Oberstadtdirektor Georg Wilke. Seine Speise-Statistik ist eine Chronik der Wende zum Besseren: „4400 Portionen“, notiert der Stadtschreiber im Dezember ’49, „200“ im Juni ’50. Auch die Preise sinken. Nur noch neun Pfennig müssen Ober- und Handelschüler, sieben Pfennig Mittelschüler und fünf Pfennig Volksschüler berappen; Besucher der Hilfsschule zahlen nichts. Und das ist seit März ’48 auch gehaltvoller: Die Molke-Mahlzeit weicht Käsebrötchen, Dampfnudeln mit Vanillesoße oder Grießbrei mit Marmelade. Das meiste kommt über den „großen Teich“, ist – wie die Schokolade auch, die ob ihres hohen Tauschwertes unter Aufsicht der Lehrer verzehrt werden muss – eine Liebesgabe von „Uncle Sam“. Und dennoch: Die mageren Körper, die die Augen der Amtsärzte zur Jahreswende ’48/’49 abtasten, sind von Entbehrungen gezeichnet: Von 5200 Schülern, die in Schlangen vor die Weißkittel treten, ist bei 1800 das Allgemeinbefinden schlecht; 700 haben chronische Störungen. Und die drücken auf die Psyche. Ein Zustand, der sich kaum von dem unterscheidet, den Wilke schon im März ’46 beim Oberpräsidenten in Hannover beklagte: „Der Kriegseinsatz der Oberschüler hat bei ihnen zu Pessimismus, Passivität und Zurückhaltung gegenüber den Idealen der Demokratie geführt. Die mutwillige Zerstörung von Schulinventar ist keine Seltenheit.“ Doch auch das wird sich bald, ebenso wie die Unterrichtsversorgung, bessern. Bereits im März ’49 kehren die letzten, im Zuge der Entnazifizierung übereilt entlassenen, (Alt-)Lehrer zurück. Dort treffen sie auf junge Kollegen, die Ausbildungskurse der Militärregierung durchlaufen haben und die neue Zeit proben: Sie richten Schülermitverwaltungen ein. Im Rahmen der „Umerziehung“ (Re-Education) sollen autoritäre Strukturen aufgebrochen werden. Aus der Sicht eines „Zöglings“ sieht Fritz Koenig die schulische Entwicklung zum Zeitpunkt der Gründung der Bundesrepublik. 1949 besucht er die 8. Klasse des Schillergymnasiums, wird demokratisch gewählter Klassensprecher – und bleibt es. König erinnert sich schmunzelnd an die ersten Bemühungen um aktive Demokratie in seiner Schule: Dem Leiter des „Schiller“, Oberstudiendirektor Richard Schulz, hatten es die demokratisch verfassten englischen Schulen angetan. Schulz richtete eine wöchentliche Versammlung der Klassensprecher im Direktorzimmer ein, wo freimütig über die Schulentwicklung gesprochen werden konnte. Den in den Pausen aufsichtführenden Lehrern wurden Schüler der SMV (Schülermitverwaltung) mit Armbinde beigeordnet. Eine Schülerzeitung entstand, aber schon der Titel „Schule und Haus“ verdeutlichte, dass eine positive, betuliche Berichterstattung erwartet wurde.

Der Literaturunterricht lief eher unpolitisch zwischen Löns und Lagerlöf einerseits und Goethes „Edel sei der Mensch“ andererseits ab; Büchner und Hauptmann beunruhigten nachhaltig. „Geschichte“ folgte dem chronologischen Schema, Zeitgeschichte blieb außen vor. Koenig sieht rückblickend autoritäre Züge. Betrat der Lehrer die Klasse, stand alles zackig auf. Der Lehrer wurde mit „Herr Studienrat“ angeredet. Im Sportunterricht ließ „Lange“ in Linie antreten, abzählen. In den fünfziger Jahren marschierten die Schiller-Schüler zum Sportfest in Reih’ und Glied zu den Sportstätten (Bürgergarten). Koenig: „Ich ging gern zur Schule – die fünf Prozent eines Jahrgangs, die danach höhere Schulen durchliefen, erfuhren Dinge, von denen die Gleichaltrigen ausgeschlossen blieben, wenn sie mit 14 Jahren eine harte Lehre anfingen.“ 

© Dewezet, 21.05.1999

Die alte „Penne“ hielt sie jung 

Hameln (ks). Die Vereinigung ehemaliger Mittelschüler der Wilhelm-Raabe-Schule feierte mit Schülern, Eltern, Mitgliedern des Elternvereins, des Lehrerkollegiums und zahlreichen Gästen ihr 50. Jubiläum in der Aula der Schule. 

Vorsitzender Karl Wald in seiner Begrüßungsrede: „Im Frühjahr 1950 beschlossen die beiden Ehemaligen Wilhelm Wöhler und Fritz Rübenack, ältere Ehemalige einzuladen, um Kontakte untereinander zu pflegen.“ 20 Ehemalige waren damals der Einladung gefolgt. Sie gründeten die Vereinigung mit dem Ziel, ihrer alten Schule zu helfen. Auch nach 50 Jahren hat sich diese Zielsetzung nicht geändert, was Schatzmeister Hansjörg Issleib unter Beweis stellte. Er ließ durch die beiden Schüler Alexander Werner und Andreas Spieker einen Scheck über 3000 Mark an Schulleiter Günther Hoppe überreichen. Hoppe bedankte sich: „Ich denke und hoffe, dass die meisten Ehemaligen gute Erinnerungen an ihre alte Schule haben. Unsererseits wollen wir diese Verbundenheit mit Leben erfüllen.“ Was die Ehemaligen unter Verbundenheit zu ihrer Schule verstehen, konnte man dem Vortrag des früheren Raabe-Schülers Heinrich Keese entnehmen. Dem 82-Jährigen war die Ehre zuteil geworden, einen Rückblick mit dem Thema „Erinnerungen an meine Schulzeit“ in den Jahren 1928 bis 1934 zu halten: „Ich bin der Schöpfung dankbar, dass ich in meinem Alter in der mir noch vertrauten Aula über Erinnerungen an meine Schulzeit nachdenken darf“, sagte er. Nicht nur schulische Leistungen, sondern auch die finanziellen Verhältnisse des Elternhauses seien damals entscheidend für den Besuch einer weiterführenden Schule gewesen, denn der Kostenaufwand sei hoch gewesen, wegen des monatliches Schulgeldes von 12,50 Reichsmark, der Kosten für Lehrmittel und Fahrtkosten. Keese hatte neben ernsten aber auch humorvolle Erinnerungen zu bieten. An jedem Montag habe die Woche mit einer Andacht in der Aula begonnen, die von „Papa Knopf“ gestaltet worden sei. „Teddy Kühne“ habe neben Naturwissenschaften auch Kenntnisse der Botanik vermittelt, und „Pens Grau“ habe keinen Versuch unterlassen, die Schüler zu Kunstmalern auszubilden. Der „Kleine Otto“ und der „Große Lawan“ hätten sich vorzüglich ergänzt, und „Onkel Bräsig“ habe sich größte Mühe gegeben, alle zu erstklassigen Mathematikern zu machen. Mit Begeisterung hätten die Knaben bei „Marlies Kotzenberg“ in der modernen Lehrküche für die jungen Damen Geschirr und Töpfe gespült, und auch die Musikunterrichtsstunden bei „Hermann to-pa-fe“ seien unvergessliche Erlebnisse. Sätze wie „In den Jahren meiner Schulzeit habe ich wertvolles Rüstzeug für meinen späteren Lebensweg erhalten“ zeugen von der Dankbarkeit und Verbundenheit, die Keese seiner alten Schule entgegenbringt. Das Schulorchester, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der achten, neunten und zehnten Klassen, umrahmte die Feier mit den Titeln „O, When The Saints …“, „River-Kwai-Marsch“ und „Yesterday“ und stellte hohes Niveau unter Beweis. Sybille Rauch trug Gedanken zu Leben und Werk Wilhelm Raabes, des Namensgebers der Schule, vor. 

© Pyrmonter Nachrichten, 31.05.2000 

 

  Wilhelm Raabe Schule Hameln
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