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Letzte Aktualisierung am:

07.12.2013 11:53

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Keine Angst vor der Entscheidung / 10 Tipps, wie man die richtige Schule finden kann

von Martin Spiewak aus: "DIE ZEIT"  (der Originalartikel ist hier!)

Viele Eltern sind unsicher, wo sie ihr Kind am besten einschulen. Meist richten sie sich nach dem »guten Ruf« einer Schule – der längst veraltet sein kann. Bei der Suche kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Zudem helfen immer mehr Informationsangebote, das Niveau des Unterrichts, das Engagement eines Lehrerkollegiums oder das soziale Klima einer Schule zu bewerten. Eine Checkliste:

1. Vertrauen Sie ruhig Ihrem ersten Eindruck. Wichtiger als die äußere Modernität einer Schule ist, was sie aus einem Gebäude macht. Sind die Wände lieblos kahl? Sehen alle Klassenräume normiert aus? Stehen verstaubte Schülerarbeiten in den Vitrinen, gibt es Spuren von Vandalismus? Welches Bild bieten die Toiletten?

2. Offenheit ist ein wichtiger Gradmesser für Qualität. Sie beginnt im Internet: Präsentiert sich eine Schule allein mit Pflichtinformationen, oder bietet sie einen lebendigen Eindruck des Schullebens?

3. Ein gutes Zeichen ist, wenn nicht nur viele Lehrer, sondern auch Väter und Mütter am Tag der offenen Tür teilnehmen. Befragen Sie sie nach der Alltagswirklichkeit der stolz präsentierten Highlights. Aber besuchen Sie auch eine beliebige Unterrichtsstunde an normalen Tagen. Aufschlussreich ist schon, wie der Rektor auf die Frage nach einer solchen Visite reagiert.

4. In fast allen Bundesländern müssen Lehrer ein Schulprogramm veröffentlichen. Welche Inhalte stehen im Vordergrund? Lernen Kinder mit Wochenplänen, in Projekten? Wie werden schwache Schüler gefördert, besonders begabte gefordert? Achten Sie auf pädagogische Schwerpunkte wie Musik, Zweisprachigkeit oder Theater. Aber vor allem auf konkrete Selbstverpflichtungen statt leerer Absichtserklärungen.

5. Gute Schulen nehmen die Eltern ernst. Gibt es einen regelmäßigen Elternbrief? Wie häufig stellen sich Lehrer einem Entwicklungsgespräch über den Lernerfolg des Kindes? Engagierte Schulleitungen laden zur Mitwirkung ein, auch über den selbst gebackenen Kuchen für das Schulfest hinaus. Manche schließen Verträge ab, mit konkreten Verpflichtungen für Eltern und Lehrer. Fragen Sie Elternsprecher und andere Mütter und Väter nach ihren Erfahrungen. Auch nach jenen mit einzelnen Lehrern, denn darüber verraten Schulleitungen meist nichts.

6. Fragen Sie nach konkreten Problemen. Gute Schulen leugnen nicht, wenn es Schwierigkeiten gibt; sie machen auch nicht andere dafür verantwortlich, die Verwaltung oder den Minister. Sie suchen selbst Lösungswege für Unterrichtsausfall, Sprachdefizite bei Migranten oder einen Mangel an Disziplin. Fragen Sie auch nach der Lernbereitschaft eines Kollegiums: Wie steht die Schule zu Reformen? Wann gab es die letzte Fortbildung?

7. Gute Schulen öffnen sich nach außen und suchen Partner: andere Bildungseinrichtungen, aber auch Sportvereine oder Musikschulen. Das ist besonders wichtig, wenn auf Ganztagsbetrieb umgestellt wird. Dann sollten Sie auch klären: Verändern die Lehrer den Ablauf, »rhythmisieren« sie den Tag zwischen Fachunterricht und freien Phasen? Oder hängen sie bloß Spiel und Hausaufgaben an den normalen Schultag dran?

8. Die Partner sind gute Informationsquellen. Gymnasien zum Beispiel kennen das Lernniveau der Grundschulen ihres Einzugsgebietes genau; manch gutes Zeugnis in den ersten vier Jahren entpuppt sich auf der weiterführenden Schule als Resultat niedriger Ansprüche. Oder Betriebe wissen, mit welchen Fähigkeiten die Real- und Hauptschüler eine Schule verlassen.

9. Auch die Bildungsministerien bringen Licht ins pädagogische Dunkel. Sachsen hat als erstes Bundesland ein zentrales Internetportal eingerichtet mit Porträts aller Schulen und Leistungsdaten, vom Durchschnitt beim Abitur bis zur Quote der Sitzenbleiber (www.sachsen-macht-schule.de).

10. Aufschlussreich sind die Resultate von Vergleichsarbeiten. Bei der großen Vera-Untersuchung testeten die Schulverwaltungen zum Beispiel die Mathematik- und Deutschkenntnisse sämtlicher Viertklässler. Damit liegt das Lernniveau jeder Schule in diesen Fächern offen und kann mit Nachbarschulen verglichen werden. Das Gleiche gilt für den »Schul-TÜV«: In immer mehr Bundesländern gehen Inspektoren oder Evaluatoren um. Noch müssen die Schulen diese Studien nicht veröffentlichen. Niemand kann jedoch Eltern daran hindern, danach zu fragen – und eine gute Schule wird sie nicht verstecken.

Martin Spiewak

 

Wilhelm Raabe Schule Hameln
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